Bergbauliche Wasserwirtschaft

Bund Länder Projekt Sachsen-Perú: Gewässerschutz in der Bergbaunachsorge in Perú

Zuschussgeber: Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, Regionalbüro Ost / Bund-Länder-Programm

Bearbeitungszeit: 09/2020-01/2022

Ausgangssituation

Die Andenregion erwartet einen neuen Rohstoffboom. Dieser geht insbesondere auf die steigende Nachfrage nach Rohstoffen für die Energie- und Verkehrswende zurück (z.B. Lithium, Kupfer, Gold, Silber sowie Kobalt und Nickel als Begleitelemente). Moderner Bergbau in den Andenländern spielt eine essentielle Rolle für breitenwirksames grünes Wachstum und die Bereitstellung von Rohstoffen für klimafreundliche Technologien. Der Bergbau erzeugt aber auch Nutzungskonflikte durch umweltschädliche Abbaumethoden. Eines der Hauptkonfliktpotenziale des aktiven Bergbaus und dessen Nachsorge entsteht durch die Überbeanspruchung und Schädigung natürlicher Wasserressourcen sowie die Beeinträchtigung lokaler Wasserkreisläufe. Ohne wirksame Mechanismen des Gewässerschutzes implementiert zu haben, werden durch Bergbauaktivitäten und deren Hinterlassenschaften Gewässerstrukturen verändert und örtlich Schadstoffe eingetragen. Insbesondere in den wasserarmen Regionen der Andenländer entstehen durch Mehrfachnutzung (Bergbau, Fischwirtschaft, Landwirtschaft, Siedlungen) Nutzungskonflikte der knappen Ressource Wasser, so auch in Peru. Peru hat eine vollständige Administrationsstruktur zur Bergbaunachsorge aufgebaut. Das Know-how bei den zuständigen subnationalen Regionalverwaltungen für eine effektive Umsetzung der vorhandenen Gesetze zum Gewässerschutz in der Bergbaunachsorge ist jedoch noch zu gering ausgeprägt.

Deutschland kann hier Vorbild sein und mit seinen gemachten Erfahrungen zum gegenseitigen Lernen beitragen. Umgang mit Bergbaualtlasten ist eine besondere sächsische Kompetenz und gleichzeitig auch ein sächsisches Langzeitproblem. Geprägt durch bittere Erfahrungen mit den bergbaulichen Hinterlassenschaften seit der Wiedervereinigung hat Sachsen in den letzten 30 Jahren ein umfangreiches Regelwerk zum Gewässerschutz in der Bergbaunachsorge umgesetzt. Sachsen hat als erste Region innerhalb der 28 EU Mitgliedsstaaten, aufbauend auf der europäischen und deutschen eine eigene Rohstoffstrategie verfasst und diese jüngst fortgeschrieben. In dieser wird der internationalen Zusammenarbeit mit rohstoffreichen Ländern, dem Technologietransfer von Sachsen besonders in Partnerländer der deutschen EZ und der Fachkräftequalifizierung ein besonderer Stellenwert beigemessen. Gleichzeitig hat Sachsen bundesweit anerkannte Beiträge zu den Regeln und Standards der Untersuchung und Sanierung von Bergbau-Altlasten, insbesondere auch von bergbaulich beeinträchtigten Gewässern (Oberflächen- und Grundwässer) geleistet, die z.B. in die Arbeitshilfen der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaften Wasser (LAWA) und Boden (LABO) eingegangen sind.

Projekteinordnung und Projektziele

Zielgruppe des Vorhabens der GIZ im Sinne von Mittler*innen sind Expert*innen auf subnationaler Ebene in Regionalverwaltungen in den auszuwählenden Pilotregionen in Peru sowie die organisierte Zivilgesellschaft im Sinne von Betroffenenvertretungen von Anwohner*innen in der Nähe des Bergbaus bzw. der Gewässer. Die Möglichkeiten zur gezielten Einbindung von Frauen insbesondere sowie der indigenen Bevölkerung im Allgemeinen in Maßnahmen des Gewässerschutzes werden fokussiert untersucht und berücksichtigt. Zielgruppe im engeren Sinne ist die lokale Bevölkerung in ausgewählten Regionen Perus, welche langfristig von einem verbesserten Gewässerschutz in der Bergbaunachsorge profitiert. Kooperationspartner im Freistaat Sachsen ist das Sächsische Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft (SMEKUL).

Als Implementierungspartner der GIZ und des SMEKUL ist es Aufgabe des Dresdner Grundwasserforschungszentrums e.V. (DGFZ), die inhaltlich-umweltfachlichen Projektanteile gem. Abschnitt 2 in enger Abstimmung mit dem TZ-Regionalvorhaben der GIZ mit BGR in Perú umzusetzen. Das DGFZ bindet dazu als Kooperationspartner das Geokompetenzzentrum Freiberg e.V. (GKZ) mit seinem Schnittstellen-Know-how zwischen der Bergbau-Forschung an der TU Bergakademie Freiberg und der sächsischen bzw. mitteldeutschen Bergbauindustrie sowie weitere Erfahrungsträger zur wasserwirtschaftlichen Bergbaunachsorge gem. Abschnitt 4 aus der sächsischen Umwelt- und Bergbauverwaltung sowie Bergbau-Industrie ein.

In Peru arbeitet das Projekt auf staatlicher Ebene mit dem nationalen Bergbauministerium und lokalen Partnern von 1-2 noch im Detail zu bestimmenden Pilotregionen für die Übertragung der best practice des Gewässerschutzes zusammen. Vorläufig  ist beabsichtigt, eine Pilotregion als Teilgebiet im Arbeitsbereich La Libertad / Rio Moche des TZ-Regionalvorhabens der GIZ mit BGR zu bearbeiten. Seitens der Zivilgesellschaft wird mit nationalen Ombudsbehörden und Basisorganisationen wie u.a. indigenen Gruppen und NGO-Netzwerken sowie ggf. wissenschaftlichen Einrichtungen kooperiert. Unternehmerseitig werden das Bergbaukompetenzzentren der AHK Peru und Bergbauverbände in den Pilotregionen einbezogen.